Soll ich wie gehabt kämpfen,
den Schmerz durch Ablenkung dämpfen?
Oder ist das nur ein Verkrampfen,
Gefühle in den Boden stampfen?
Weil man meint, man müsse groß und stark sein,
dabei fühlt man sich hilflos und klein…
Was ist das, was ich hier mache?
Das frag ich mich? Dass ich nicht lache!
Nein im Ernst, was ist das, was ich hier tu?
Ihr Zweifel, ihr gebt jetzt mal Ruh!
Kämpfe ich, um zu verdrängen,
weil mich die Geschehnisse beengen?
Kämpfe ich, um stark zu bleiben?
Will ich mir ständig die Tränen aus den Augen reiben?
Man sagt, Annehmen und Loslassen,
Alles Andere düfte nicht passen.
Soll ich wirklich Annehmen, sagen “Hallo, ihr Tränen”,
soll ich wirklich so mutig sein und Flennen?
Ist es wirklich Stärke, das zu tun, oder ist es Schwächeln?
Ist Stärke Annehmen oder nur ein gespieltes Lächeln?
Oder soll ich kämpfen, um positiv zu denken?
Ist es nicht auch Verdrängen, seine Gedanken so zu lenken?
Was soll ich tun, was ist was, was ist richtig,
was ist falsch? Diese Frage ist mir wichtig.
Ich glaube, ich geb mir selbst die Antwort,
denn in mir ist Wissen, es ist immer dort.
Stark sein zu wollen, obwohl man sich schwach fühlt,
ist als ob man in einer dreckigen Trickkiste wühlt.
Falsche Stärke ist nur Schwächeln,
ist genauso unecht, wie ein gespieltes Lächeln.
Richtige Stärke ist Schwäche zulassen,
diese Strategie sollte passen.
Durch Klischees ist Vieles verdreht auf dieser Welt,
aber nur so lange, bis es Einem auffällt.
Ablenken ist Verdrängen, sonst nichts,
Gefühle aus dem Kopf, aus dem Blickfeld des Gesichts.
Doch sie kommen wieder, wie ein Boomerang,
dann ist er noch viel stärker dieser Drang.
Positives Denken ist Stärke pur, aber
es ist kein Heucheln, kein realitätsfremdes Gelaber.
Ich bin mutig, ich stelle mich dem Schwächeln,
ich sag “Hallo” und besieg es dann mit einem Lächeln.
Natürlich kehrt meine echte Stärke wieder zurück,
beginnend in dem Moment des Muts, dann Stück für Stück.
Ich hab das Schwächeln angenommen,
hab diesen steilen Berg erklommen.
Die Schwäche hatte genug Raum, ich lass sie los und sie ist weg,
jetzt ist nur mehr echte Stärke, kein Heucheln und kein Dreck.
Das war nur ein Test, um es mal durchzudenken,
für meine Gewissheit, damit keine Ängste mich einschränken.
Draußen wartet die Realität, die harte Wirklichkeit…
Bin ich für den Feldversuch wirklich schon bereit?
Okay, ihr Depressionen, ihr kommt wieder,
denn bis jetzt stampfte ich euch bloß nieder.
Ihr findet in dem Boden schon ein Loch,
und grabt euch wieder zu mir hoch.
Und wenn sie heute schon wieder kämen?
Ich kann es, ich muss sie nur annehmen!
Ich muss nur sagen “Hallo, hier seid ihr ja,
es ist endlich Raum für euch Gefühle da.”.
Ich werd aufhören zu kämpfen, grab das Kriegsbeil ein,
ich werd Frieden mit meinen Gefühlen schließen, so solls sein.
Wenn die Gefühle genug Platz gehabt haben, dann sag ich “Tschüß,
danke, dass ihr hier wart, danke für diese Lernerfahrung und schöne Grüß”.
Dann verziehen sie sich, lassen mich mit Anderen allein,
dann fühl ich mich wieder gut und kann echt stark sein.
Dann muss ich nicht mehr heucheln und mich selbst belügen,
dann muss der Schein nicht länger trügen.
Ich weiß jetzt, dass ich Stärke habe, auch wenn ich mal schwach bin,
das zu verstehen, ist anscheinend dieser Prüfung Sinn.
Ich weiß, man muss stark sein, um schwach sein zu können,
denn ich lernte die Stärke in der Schwäche kennen.



Hallo Sunny,
seit langem hast du dich mit den Worten in deinen Zeilen mal wieder so richtig auslassen können. Fazit: es gefällt mir sehr gut, da du es genau auf den Punkt der Gefühle getroffen hast.
Schwäche zu zeigen und zuzulassen ist mehr als Stärke, das macht halt die Menschlichkeit aus.
Liebe Grüsse
Julie
Liebe Julie,
danke für deinen lieben Kommentar =)
Als ich das Gedicht anfing, hatte ich das Gefühl, ich müsste meine Gedanken und Gefühle unbedingt zum Ausdruck bringen. Ich fühlte mich, als würden sie mich erdrücken, wenn ich sie nicht aufschreiben würde.
Weißt du was… ich denke, du hast recht, ich hab mich wiedermal so richtig auslassen können.
Eigenartigerweise hab ich während und nach dem Gedicht schreiben noch gedacht, es wäre nur ein Testdurchlauf gewesen für das Annehmen und Loslassen. Seither hab ich mich gewundert, dass die Gefühle nicht mehr wie ein Boomerang zu mir zurück gekommen sind, dass der “Feldversuch” einfach nicht stattfand.
Nachdem ich über das nachgedacht habe, wurde mir klar, dass der Test zugleich auch der Feldversuch war. In dem ich meinen Gefühlen hier Raum zugestand, hab ich sie schon angenommen und in dem ich hier alles Quälende bereits hinter mir ließ, hab ich schon losgelassen.
Hm, naja, das Leben ist schon eigenartig. Zuerst fühlt man sich erdrückt, sucht verzweifelt nach einer Lösung aber findet sie nicht. Dann denkt man, bevor man zerplatzt, schreibt man es lieber auf. Und irgendwann merkt man, das war nicht nur eine Strategie in der Not, sondern es war DIE LÖSUNG. Faszinierend…
Da stimme ich dir zu, das macht die Menschlichkeit aus. Ich habs ja gesehen, es funktioniert einfach nicht auf Dauer, so zu tun, als wäre man noch stark, obwohl man sich schwach fühlt. Ich wär, glaub ich, vorher nie auf die Idee gekommen, dass in der Schwäche bzw. im Zulassen soviel Stärke liegen kann.
Fazit:
Als Mensch darf man auch mal schwach sein.
Wir sind nicht auf diese Welt gekommen, um immer stark zu sein.
Wir sind hier, um unter anderem zu lernen, dass man aus Schwäche Stärke schöpfen kann.
Danke dir für dein Lob =)
freut mich, wenn es dir gefällt…
Viele Sonnenstrahlen-Herzensgrüße
sendet dir Sunny
…so viel zum Thema: so ist das Leben, wenn man mal in sich geht. Sehr schönes Gedicht.
Viele Grüsse!
Luiza